Die Karpaten

Wer kennt sie nicht die Geschichte des Grafen aus Transsilvanien, der sich in seinem Schloss am Borgopass im Komitat Bistrica- Nassaud zu langweilen scheint, weshalb er den britischen Grundstücksmakler Harker in sein düsteres Karpatenschloss einlädt, um mit ihm den Verkauf der Abtei von Carfax nahe London abzuschliessen. Wer denkt dabei nicht an die Verfilmung Nosferatu von Murnau oder die späte Adaption von Francis Ford Coppolas “Dracula”. Es gab ihn übrigens wirklich, diesen Fürsten Vlad III. Draculea.

Doch mit Transsilvanien hat er nicht viel zu tun, außer dass er dort geboren wurde. Vlads Geburtsstadt in Transsilvanien Sighisoara, einst Schässburg genannt, ist ein Ort mit einer traumhaften mittelalterlichen Altstadt. Sighisoara entging vor einigen Jahren glücklicherweise dem Schicksal, dass dort ein “Dracula- Park errichtet wurde. Touristenziele wie Schloss Bran versuchen uf ihre Art mit dem bekanntesten Rumänen ein paar Euronen zu verdienen.

Wer Transilvanien bereist, wird nach bestimmten Vorprägungen vielleicht etwas enttäuscht sein. Siebenbürgen wirkt viel eher wie die Schweiz mit seinen sattgrünen Almen. Statt auf Vampire und Werwölfe, stösst der Reisende auf Liftanlagen. Das neue EU- Land Rumänien versucht Anschluss an den internationalen Tourismus zu finden, und wer sich an zuweilen noch etwas rustikalem Komfort nicht stört, wird dort noch unberührte Natur vorfinden. Rumänien hat eine ganze Menge zu bieten, und wer sich für mittelalterliche Altstädte, Burgen und Klöster interessiert, wird in Transsilvanien und der Walachei eine grosse Vielzahl davon entdecken können. Rumänien, das ist vielleicht eines der letzten Abenteuer in Europa. Nicht wegen Korruption und Kriminalität, sondern im positiven Sinn. Wer unberührte Natur und Trekking liebt, wird dort auf seine Kosten kommen. Es gibt in den Karpaten noch Luchse, Wölfe und vor allem Braunbären. Das ist indirekt dem “Conducator” Ceaucescu zu verdanken, der als einziger Bärenjäger Rumäniens mit Hubschrauber und Gattin Helena die Karpaten heimsuchte, wo die Petze regelrecht gemästet wurden. Angeblich liess Ceaucescu sogar Kodiakbären einkreuzen, um noch kapitalere Brocken schiessen zu können. Zwischenzeitlich gab es in Rumänien 20 mal mehr Braunbären, als im Yellowstonepark. Davon sind viele freilich devisenkräftigen Trophäenjägern zum Opfer gefallen, aber noch gibt es in den Karpaten beachtliche Anzahlen dieser Tiere, und man kann sie durchaus häufiger sehen.